Interview zum Thema mobiles Arbeiten mit Dr. José Fernández Puga, 44 Jahre alt, Bereichsleiter Engineering

Dr. José Fernández Puga hat an der Technischen Universität Kaiserslautern Maschinenbau studiert und anschließend auf dem Gebiet der Strömungsmechanik promoviert. Erste Erfahrungen bei NUKEM sammelte er ab dem Jahr 2006. Nach einer kurzen Unterbrechung seiner Tätigkeit für NUKEM leitete er ab 2015 die Abteilung Maschinen-/Bautechnik & Anlagenplanung und fungierte neben der Abteilungsleitung auch als Projektleiter und Projektingenieur. Zum 1. Mai 2020 übernahm Herr Fernández Puga die Bereichsleitung Engineering. Zu dieser Zeit haben ca. 1/3 der NUKEM-Mitarbeiter von zu Hause gearbeitet. Wir haben mit Herrn Fernández Puga darüber gesprochen, wie er in dieser Zeit die Zusammenarbeit mit den Kollegen gestaltet hat - aber auch wie er sich selbst im mobilen Arbeiten organisiert hat und was er 5 Monate später für ein Fazit ziehen kann.

Die Umstellung auf die Möglichkeit des mobilen Arbeitens für einen Großteil der Kollegen führte anfangs auch zu organisatorischen Änderungen, beispielsweise in der Infrastruktur. Zum Bespiel wurde einigen Kollegen gestattet ihre Desktop-Rechner und Monitore mit nach Hause zu nehmen. Es wurde auch geprüft, ob jeder auf die notwendigen Anwendungen Zugriff hat und - wenn erforderlich - wurde weitere Ausstattung angeschafft. Des Weiteren musste die Umleitung von der Firmendurchwahl auf das Diensthandy oder private Handy gewährleistet und eingerichtet sein. Und die Kollegen haben sich natürlich bereit erklärt für notwendige Arbeiten, die nicht von zu Hause ausgeführt werden können, ins Büro zu kommen.

Wie gestaltete sich die Organisation der Kinderbetreuung und des mobilen Arbeitens bei Ihnen persönlich?

Schwierig, da die Kinder auch Aufgaben für die Schule zu erledigen hatten. Die Kinder erledigen die Aufgaben zwar möglichst selbstständig im Kinderzimmer, aber benötigten hin und wieder Unterstützung. Eine Abstimmung bzw. Koordination zwischen beiden Elternteilen war sehr wichtig. Da die Kinder nicht zur Schule mussten, blieben sie länger wach und standen morgens später auf. Hierdurch konnte bereits morgens gearbeitet werden, wenn die Kinder noch schliefen bzw. abends, wenn die Kinder schon im Bett waren. Die Arbeitszeit gestaltete sich flexibler, aber auch länger, da es immer wieder Pausen zwischendurch gibt, in denen sich um die Kinder gekümmert werden musste.

Herr Fernández, Sie führten zu Beginn der Pandemie, als der Großteil Ihrer Mitarbeiter im mobilen Arbeiten war, regelmäßig sogenannte Stand Up-Meetings mit Ihrer Abteilung durch. Können Sie dies näher erläutern?

Die Stand Up-Meetings fanden mehrfach wöchentlich statt. Es nahmen alle Kollegen der Abteilung teil, die nicht aufgrund von anderen Besprechungen verhindert waren. Es fand zuerst ein Austausch auf privater Ebene statt, wie es den Kollegen im mobilen Arbeiten ergeht und ob es Probleme gibt. Nach einer kurzen, persönlichen Unterhaltung wurden dann die einzelnen Projekte besprochen. Der Stand der Projekte wurde geschildert und, ob Hilfe an der ein oder anderen Stelle benötigt wird. Falls es Probleme gab, konnte durch diese regelmäßige Abstimmung gegengesteuert werden.

Wie kann die Erledigung von Aufgaben durch die Mitarbeiter nachvollzogen werden?

Da die Mitarbeiter den Projekten zugeordnet sind, kommen auch die Aufgaben aus den Projekten. In den Stand Up-Meetings wurde über den aktuellen Stand und über die nächsten Abgabetermine gesprochen sowie über die Ergebnislieferung. Die Tätigkeiten und Prioritäten wurden und werden vom Projekt vorgegeben.

Gab es aufgrund von Corona einen Stillstand von Aufgaben bzw. einen Ausfall von Projekten?

Nein, die Mitarbeiter hatten weiterhin Aufgaben. Zwar kam es vereinzelt in Projekten zu Verzögerungen z.B. aufgrund von Schwierigkeiten bei einem Lieferanten, aber Dokumente konnten trotzdem erstellt werden und auch die Arbeit z.B. in unserer Mock Up-Halle lief weiter.

Die Arbeit im Büro ist eine Plattform, in der soziale Kontakte stattfinden. Gerade in der Anfangszeit der Pandemie litten viele am Mangel der sozialen Kontakte. Wie haben Sie es geschafft diesen Mangel zu verringern?

Die gemeinsamen Mittagspausen entfielen für die Kollegen ebenso wie der Smalltalk am Kaffeeautomaten. Um den persönlichen Dialog zu erhalten, fanden viele Abstimmungen per Teams oder Telefon statt. Auch wenn es nur um eine kurze Rücksprache ging, habe ich immer viel mit den Kollegen gesprochen. Somit blieb der Kontakt zu den Kollegen im mobilen Arbeiten bestehen und keiner hatte das Gefühl vergessen zu werden.

Wie effizient ist Ihr Team geblieben?

Die Effizienz ist meines Erachtens nach gleichgeblieben, es gab in manchen Bereichen sogar Effizienzsteigerungen. Durch die flexible Arbeitszeitgestaltung ist die Zufriedenheit zum Teil gestiegen und es gab positive Rückmeldungen, dass beispielsweise die Dokumentenerstellung von zu Hause in Ruhe besser funktioniert als im Büro. Auch die Akzeptanz des mobilen Arbeitens ist bei einigen Mitarbeitern gewachsen. Genauso gab es natürlich auch negative Rückmeldungen aufgrund der fehlenden sozialen Kontakte.

Hatten Sie persönlich mit Störungen während der mobilen Arbeit, wie Baustellenlärm oder Lärm durch Nachbarn, zu kämpfen?

Persönlich nicht. Aber es gab Mitarbeiter, die davon berichtet haben, dass Nachbarkinder, die aufgrund des Schulausfalls zu Hause waren, vermehrt im Garten gespielt haben. Diese kurzzeitigen Ablenkungen gehören im mobilen Arbeiten dazu, führen aber nicht dazu, dass die Mitarbeiter weniger effektiv arbeiten.

Beeinflussen die Reisebeschränkungen die Zusammenarbeit mit den Kunden?

Auch wenn einige Reisetätigkeiten eine Zeitlang nicht mehr stattfanden, konnten wir trotzdem den Großteil unserer Aufgaben erfüllen. Dazu zählen die Erstellung von Zeichnungen, die Dokumentenerstellung und die Weitergabe der Bestellungen an die Lieferanten. Diese Krise ist auch eine Chance, da Kunden nun sehen, dass Besprechungen in Form von Videokonferenzen abgehalten werden können. In der Vergangenheit haben einige Kunden immer auf persönliche Meetings bestanden.

Herr Fernández können Sie abschließend ein Fazit ziehen, wie sich die Arbeit bei uns im Hause durch die Pandemie verändert oder sogar verbessert hat?

Die Pandemie hat uns gezeigt, dass es nicht darauf ankommt, wo man arbeitet. Gleichzeitig haben wir aber auch gelernt, dass es wichtig ist, die Kommunikation untereinander aufrecht zu erhalten und sogar zu verstärken. Die rechtzeitige Einführung von Teams als Kommunikationshilfsmittel aber auch die Bereitstellung der notwendigen Hardware haben es uns ermöglicht, weitestgehend ohne Reibungsverluste durch die erste Phase der Pandemie zu kommen. Abschließend können wir festhalten, dass wir in unserer Arbeitsweise flexibler geworden sind.


NUKEM Technologies in Alzenau, Deutschland, ist weltweit aktiv in den Bereichen Management von radioaktiven Abfällen und abgebrannten Brennelementen, Stilllegung von nuklearen Einrichtungen, Ingenieurtechnik und Consulting. Seit 2009 ist NUKEM Technologies Teil der ROSATOM-Gruppe.

Kontakt:
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NUKEM Technologies Engineering Services GmbH
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