Die Geschichte der NUKEM

Vom Brennelementfertiger zum Rückbauspezialist

 

1960
Gründung der NUKEM
1976
NUKEM hat sich als Weltmarktführer für MTR-Brennelemente etabliert
1985
Generalunternehmer-Auftrag für die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf im Konsortium mit KWU und KAH
1992
Aufträge für Abfallbehandlungszentren für die KKW Bohunice, Balakowo und Chmelnitzki
2003
Grundsteinlegung für ein Abfallbehandlungszentrum in Tschernobyl
2016
Erste Behälter im Zwischenlager Ignalina eingelagert
2020
NUKEM feiert 60-jähriges Firmenjubiläum

Als die NUKEM 1960 gegründet wurde, hatte sie ein klar definiertes und ambitioniertes Ziel: die Entwicklung und Herstellung nuklearer Brennelemente. Zu dieser Zeit stand die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland vor dem Übergang von der Forschung hin zur industriellen und wirtschaftlichen Nutzung. Im bayerischen Kahl ging das erste kommerzielle Kernkraftwerk ans Netz. Der Siedewasserreaktor lieferte Strom für rund 20.000 Haushalte. Es wurden die Fördermaßnahmen der deutschen Bundesregierung genutzt, um umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet der Herstellung von nuklearen Brennelementen zu erarbeiten. Durch die Vielfalt der in Deutschland anfänglich verfolgten Reaktorkonzepte mit ihren unterschiedlichen Brennelementen konnte NUKEM ein breites Wissensspektrum aufbauen.

 

International besonders erfolgreich und anerkannt war NUKEM auf dem Gebiet der Entwicklung und Fertigung von Brennelementen für Forschungsreaktoren. Trotz großer Erfolge am Markt waren die Gesellschafter überzeugt, dass NUKEM den Wettbewerb als systemunabhängiger Brennelementhersteller auf Dauer nicht wird bestehen können. Dies führte im Mai 1969 zur Gründung von gemeinsamen Gesellschaften mit den deutschen Reaktorbauern. Angesichts der Übertragung des Arbeitsgebiets der Brennstoffe und Brennelemente für Leichtwasser-Kernkraftwerke verlor NUKEM fast vollständig das Arbeitsgebiet, für das sie neun Jahre zuvor gegründet würde, nämlich die Fertigung von Brennelementen für Leistungsreaktoren- mit Ausnahme der Brennelemente für Hochleistungsreaktoren.

 

Die Reaktion von NUKEM auf diese Einschränkung im Kerngeschäft war ein verstärktes Engagement auf den anderen Feldern des nuklearen Brennstoffkreislaufs wie Uranversorgung, Anreicherung, Wiederaufbereitung, Transport, Abfallmanagement und auch nukleares Engineering und nuklearer Anlagenbau.

 

Der Betrieb erster Kernkraftwerke führte ab Mitte der 1960er Jahre auch in Deutschland zum Aufbau einer Brennstoffkreislauf-Industrie. Mit Ausnahme des Uranbergbaus hat NUKEM bei allen wichtigen Aktivitäten entweder selbst die Initiative ergriffen oder sich frühzeitig an entsprechenden Gesellschaften beteiligt. Ein Schwerpunkt war die Brennstoffbeschaffung und NUKEM wurde später das größte unabhängige Uran-Handelshaus der Welt.

 

Mit dem Ausbau der Fertigungskapazität für Brennelemente wuchs auch der Ingenieur-und Anlagenbaubereich der NUKEM. Zunächst nur für den Eigenbedarf gedacht, war dieses Know-how ab den 1970er Jahren so gefragt, dass es auf dem Markt angeboten wurde. Neben verfahrenstechnischen Apparaten würden auch Gebäude und Einrichtungen für die kerntechnische Forschung geliefert. Schon ein Jahrzehnt später war NUKEM Partner im Bieterkonsortium für die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. Diese sollte die zentrale Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernkraftwerken in Deutschland werden. Der Bau wurde von massiven Protesten von Teilen der Bevölkerung begleitet und nach vier Jahren 1989 eingestellt.

 

Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland ist in den 1970er Jahren entstanden. Sie richtete sich zuerst gegen den Bau oder die Inbetriebnahme von Kernkraftwerken. Ab den späten 1970er Jahren richtete sich der Fokus auf die Wiederaufbereitung und Endlagerung. In der Hochphase dieser Bewegung fanden Demonstrationen mit über 100.000 Teilnehmern statt.

 

Vor dem Hintergrund der Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland führte ein Vorfall in der deutsch-französischen Beteiligungsgesellschaft Transnuklear 1988 zu einer Neuorientierung von NUKEM im Markt. Dieser Vorfall führte dazu, dass der Transnuklear alle Transportgenehmigungen und auch NUKEM, bis zur Klärung der personellen und organisatorischen Verantwortung, die atomrechtlichen Genehmigungen und damit die Betriebserlaubnis entzogen wurde. NUKEM zog sich danach völlig aus der Handhabung von Kernbrennstoffen zurück-einschließlich der Durchführung von Transporten und der Entsorgung von radioaktiven Abfällen als Dienstleistung. Verblieben waren die nukleare Ingenieurtechnik mit Anlagenbau sowie der Handel mit Uran. Beide Tätigkeitsfelder verzeichneten wegen der Konzentration auf internationale Märkte ein schnelles Wachstum.

 

Im Zuge des allgemeinen Trends „Konzentration auf das Kerngeschäft“ veräußerte die Muttergesellschaft RWE die NUKEM-Gruppe 2006 an einen Finanzinvestor. Produkte und Services rund um das Thema nuklearer Brennstoffservice, wie der Handel mit Brennstoff für Leistungs- und Forschungsreaktoren sowie der Handel mit Isotopen, waren in der NUKEM GmbH gebündelt. Die Geschäftsaktivitäten in den Bereichen Rückbau, Management von radioaktiven Abfällen sowie Ingenieurtechnik waren in der Tochtergesellschaft NUKEM Technologies GmbH zusammengefasst. 2009 wurde diese Tochtergesellschaft vom russischen Kraftwerksbauer Atomstroyexport übernommen. Das Geschäftsfeld Brennstoffservice wurde 2013 an die kanadische Cameco verkauft.

 

Der wie Atomstroyexport zu ROSATOM gehörenden Brennstofffirma TVEL wurde 2019 die Aufgabe übertragen, einen neuen Back-End-Bereich durch die Integration aller bei ROSATOM verfügbaren Ressourcen aufzubauen. Der Konzernbereich soll das Know-how aus den Bereichen Abfallbehandlung und Rückbau bündeln. Mit dem Übergang in die neu geschaffene Division bringt NUKEM nicht nur eine Marke mit langer Tradition und relevante Referenzen ein. Gemeinsam mit TVEL wird auch neue Forschungs- und Entwicklungsarbeit betrieben.

 

Betrachtet man heute, nach mehr als 60 Jahren, die Geschichte der NUKEM, zeigt sich eine Fülle verschiedener Aktivitäten und Verknüpfungen. Der Werdegang des Unternehmens ist im Laufe der Jahrzehnte nicht nur mit der gesamten kerntechnischen Entwicklung verbunden, sondern darüber hinaus stark beeinflusst von internationalen Ereignissen, dem politischen Geschehen und einigen einschneidenden Ereignissen in der Unternehmensgeschichte.

 

„Die wesentlichen Bestandteile unseres genetischen Codes sind Flexibilität und die Fähigkeit uns an sich ändernde Umgebungen und Marktbedingungen anzupassen. Tradition und Veränderung schließen sich in diesem Zusammenhang nicht aus - ein besonderes Marktverständnis sowie die Kompetenz uns in gewissem Maße neu zu erfinden und zu orientieren sind charakteristisch für die Geschichte der NUKEM.“

Thomas Seipolt | CEO von NUKEM

 

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